Diese Hitze! Diese unglaubliche Hitze ! Das war der erste Eindruck von Ghana als ich in Accra aus dem Flieger gestiegen bin. Sechs lange Stunden hat der Flug hierhin gedauert. Thomas Nösner, 2.Vorsitzender und Hauptorganisator des Vereins Goldküste e.V. hat mir angeboten ihn zu begleiten, um mir das von ihm betreute Projekt zu zeigen.

Der Empfang am Flughafen war herzlich. Eine kleine Delegation stand am Terminal bereit um uns abzuholen. Dann ging`s los,- drei lange Stunden im Dunkeln die schier endlosen 180 km von Accra nach Yamoransa, in einem alten Sprinter ohne Klimaanlage. Der Schweiß floss in Strömen,  die befahrenen Wege teils abenteuerlich.  Wach wurden immer alle, wenn wir in eine der zahlreichen Polizeikontrollen gerieten. Insgesamt viermal mussten wir solche Checkpoints passieren. Das war jedes Mal problemlos, lag aber auch wohl daran, dass der Fahrer den uniformierten Landsleuten teilweise ein kleines „Trinkgeld“ zugesteckt hat.

Spät nachts kamen wir  in Cape Coast an. Bei unserem Hotel war der Lack schon etwas ab, die sanitären Anlagen etwas gewöhnungsbedürftig, dafür  lag es direkt am Atlantik. Man konnte am nächsten Morgen von unserem Hotel wunderschön den Blick über den Strand schweifen lassen und den Einheimischen beim Fischen zusehen. Aber viel Zeit ließ mir mein Begleiter nicht, die Tage waren voll durchgeplant mit wichtigeren Dingen.

Dann ging es zur Schule. Alle freuten sich besonders auf  Thomas, der  sich um alles kümmert und vor allen Dingen mit viel Engagement, Feingefühl und sehr energiegeladen die Schule vorwärts bringt. Und ich kann an dieser Stelle auch bestätigen, er sorgt wahrlich dafür, dass die Spenden zu 100% im Projekt ankommen und zielorientiert eingesetzt werden.

Das Ziel ist es ja, dass der Staat in Zukunft die Schule übernimmt, die Lehrer fest anstellt und so dem Projekt eine langfristige Perspektive gibt, sowie den Lehrern ein besseres Gehalt ermöglicht.  Hier werden Kfz-Mechaniker, Maurer, Köche und Schneider ausgebildet. Wenn alles gut läuft, werden wohl auch bald Elektriker ausgebildet. Das wäre sinnvoll in Anbetracht der „Kabelsalate“ im ganzen Land.

Am Ende der Schulzeit steht jeweils eine Abschlussprüfung an, was den jungen Leuten dann eine Zukunft in ihrem Land ermöglicht, die sie ohne die Ausbildung am GGVC niemals haben würden.

Es ist schon toll, wie es Thomas schafft in dieser Hitze so viel hier zu managen.

Die Mentalität der Leute hier ist anders als bei uns, die deutsche Ordnungsliebe sucht man in einem Land wie Ghana vergebens. Man kann dort viel bewegen und erreichen, die Menschen sind froh und sehr angenehm und auch dankbar, dass es „Weiße“ gibt die unterstützen und helfen.

Leider sind die finanziellen Mittel sehr begrenzt, allerdings kann man auch mit wenig Mitteln dort schon sehr viel erreichen.

Es wird  mittlerweile viel Druck gemacht, die Instandhaltung und Wartung nach vorne zu treiben, um den Zustand der Schule zu halten und weiter zu verbessern.

Da trifft dann der deutsche Brauereimanager mit der afrikanischen, doch etwas nachlässigeren Lebensart zusammen und plötzlich ist die Ruhe im Afrikanischen Hinterland dahin. Aber die Leute sind letztlich froh, dass jemand kommt und ihnen auf die Sprünge hilft, auch wenn sie ab und zu das Gesicht verziehen, aber das ist der Teil der Ausbildung wie Thomas mehrfach betonte.

Dann folgten Gespräche mit der Schulleitung und den Lehrern, einigen Vertretern der Behörden und  dann werden durchzuführende Maßnahmen besprochen. Da geht es um Maßnahmen wie die Schule für eine Übernahme vorzubereiten ist und um gewisse Standards zu erfüllen. Auch in Ghana gibt es Vorschriften!

Dann wieder Meetings und er schlüpft in alle Ecken um rechtzeitig dem Verschleiß entgegenzutreten und einen Maßnahmenplan zu erstellen, – das Tempo sind die Einheimischen nicht wirklich gewohnt, aber Thomas ist da recht kompromisslos, – und das ist gut so, was letztlich auch die Leute vor Ort so sehen und schätzen.

Dann wurde ein Fahrer für mich organisiert für einen Ausflug durch die umliegenden Dörfer und Landschaften. Begleitet wurde ich von Bentum, einem guten Bekannten von Thomas. Stolz zeigt er mir die Fortschritte die es im Land gibt, dennoch bleibt er dabei bescheiden. In einem Dorf breiteten Frauen eine Art Hirse zum Trocknen aus, wir stiegen aus um uns das aus der Nähe anzuschauen. Sofort werde ich ohne Berührungsängste von den Anwesenden umringt und jeder möchte mit aufs Foto.

Am letzten Abend vor unserer Abreise wurde für uns ein tolles Abschiedsfest von den Schülern und Lehrern mit aufwendiger Vorbereitung (Essen, Deko, Musik) veranstaltet. Es war ein schönes Fest mit viel Tanz und Spaß. Diese nette und unkomplizierte Art der Menschen, trotz aller Armut im Land, das ging mir unter die Haut und  beschämte mich in gewisser Weise und hat dennoch für die vielen Strapazen der Reise entschädigt. Es ist eine bereichernde Erfahrung.

Letztlich blieben 2 Dinge nachhaltig bei mir hängen.
Wie gut geht es uns doch in Deutschland und das gute Gefühl, dass meine Spenden hier gut angelegt sind, deshalb werde ich den Verein Goldküste auch weiterhin unterstützen, weil ich dadurch diesen Menschen direkt und unkompliziert helfen kann.

Heinrich Koke, 30.05.2017