Amma Darko

Wer einen Einblick in ghanaisches Alltagsleben auf spannende und humorvolle Weise präsentiert haben möchte, sollte die Romane und Kurzgeschichten von Amma Darko lesen.

Frau Darko hat ein großes schriftstellerisches Talent, aber sie fabuliert nicht, sondern sie recherchiert. Die Akademikerin verbringt viel Zeit in Archiven, sie unternimmt Feldforschung und interviewt Leute. Auf dieser fundierten Information basieren ihre Bücher. Was sich so leicht liest, ist das Ergebnis langjähriger, harter Arbeit.

Sie kennt nicht nur das Leben der „Intelligentsia“, sondern ist auch mit dem Leben in den Elendsvierteln der Großstädte und mit dem Dorfleben vertraut. Viele Informationen bekommt sie über ihre berufliche Funktion. Frau Darko ist Steuerinspektorin und liebt besonders ihre Außentermine, bei denen sie Marktfrauen und Händler kennenlernt.

Amma Darko, Jahrgang 1956, ist in Tamale im Norden Ghanas geboren, hat an der Universität in Kumasi Amma Darkostudiert und ist in jungen Jahren für einige Zeit in Deutschland gewesen. Nun arbeitet sie seit langer Zeit in der Steuerbehörde in Accra. Es ist kaum nachvollziehbar, wie sie alles unter einen Hut bringt: Familie, Arbeit, Schreiben und die vielen Lesereisen.

Im Gespräch merkt man ihr nichts davon an. Meist wirkt sie heiter und gelöst, denn alle ihre Aufgaben bringen ihr Freude.

Ihr erster Roman spielt in Deutschland. Er ist auch in Deutschland verlegt worden. Erst danach hat sie einen Verleger in Großbritannien gefunden, danach in vielen anderen Ländern. Erst im letzten Jahr ist zum ersten Mal ein Buch von ihr in Ghana verlegt worden. Der Verlag „Subsahara Publishers“ ist klein und experimentierfreudig. Der Buchmarkt in Ghana ist nämlich, abgesehen von Schulbüchern, sehr schwierig. Ein Buch kostet dort fast so viel wie in Deutschland, so dass ein Roman schon mal den Wochenlohn eines Arbeiters kosten kann. Dass unter solchen Bedingungen keine hohen Auflagen erzielt werden können, ist verständlich. Frau Darko ist es sehr wichtig, nun endlich auch eine Publikation im eigenen Land zu haben.

Ihr Roman „Die Gesichtslosen“ ist vor kurzem nach vielen anderen Sprachen auch ins Chinesische übersetzt worden. Das Interesse an ihren Büchern wächst kontinuierlich. Man tut diesen Büchern sicherlich unrecht, wenn man sie als „Frauenliteratur“ oder als „Afrikaliteratur“ etikettiert. Frau Darkos Helden sind Frauen, ganz einfach weil sie sich besser in ihre Geschlechtsgenossinnen hineinversetzen kann. Ihre Romane sind weit mehr als Genreliteratur. Der Hintergrund ist sorgfältig recherchiert, die Handlung gut aufgebaut, die Figuren authentisch gezeichnet. Stilistisch sind besonders die letzten Romane ausgezeichnet, was am besten in der englischen Originalfassung erkennbar ist.

Im Jahr 2006 ist ihr derzeit letzter Roman, „Das Lächeln der Nemesis“ in deutscher Sprache erschien. Die englische Originalfassung „Not without Flowers“ wird 2007 in Ghana auf den Markt kommen.

(Artikel verfasst von Dr. Regina Bouillon)

www.ammadarko.de